Tipps vom mehrfachen Deutschen Meister Dr. Markus Bartram und dem Erfolgstrainer Günter Sterzer

Aktualisiert: 31. Dez 2020

Trainingseinheit "Hülsenschießen"


Nein, ganz so schlimm wird es nicht: Niemand muss auf 25m stehend freihändig auf Hülsen schießen. Diese Trainingsempfehlung dient allen Schützen als Erfolgskontrolle. Wie schon mehrfach beschrieben, muss während des Schusses das Korn scharf gesehen und präzise beobachtet werden. Wer dies mit der nötigen Konzentration tut, kann nach dem Schuss sehr genau vorhersagen, wo ungefähr der Treffer hingegangen ist. Wie auch sonst sollte man unterscheiden können zwischen z.B. Hochschüssen, die Grund sind die Visierung zu verstellen oder einfach nur Schüssen, die verrissen wurden ?


Das soll der Schütze tun: Es werden 5-Schuss Serien geschossen, ganz wie gewohnt. Nur wird nach keinem einzigen Schuss durch das Glas geschaut. Anstelle der Trefferkontrolle wird eine Hülse auf eine unbeschossene Zielscheibe vor sich gestellt. Nach den 5 Schuss wird die Scheibe geholt und mit dem Hülsenmotiv verglichen. Ob und wie groß der Streukreis nun wirklich geworden ist, ist völlig nebensächlich. Es wird von keinem Schützen erwartet, den Streukreis der Waffe zu überbieten. Aber: Die Form des Schussbildes muss mit den Treffern ungefähr übereinstimmen. Dabei sind Verschiebungen, die mit einer Verstellung der Visierung zu korrigieren wären (Abb. 1) pauschal abzuziehen. Ferner muss berücksichtigt werden, dass der Streukreis der Waffe nicht null ist. Genaugenommen kann man auf diese Art und Weise viel genauer den Streukreis der Waffe ermitteln, als es in der Maschine möglich ist: Der Mittelwert aller Abweichungen zwischen Treffer und Ansage ist der tatsächliche Streukreis! Ausreißer, die erkannt wurden ("Verflixt, schon wieder zu tief abgekommen") sind auch von mittelmäßig geübten Schützen genau genug vorhersagbar.


Das bringt es dem Schützen: Durchschnittliche Schützen haben oft Angst zuzugeben, dass sie nur 300/400 Ringen geholt haben. Dabei liegt vielleicht ein Problem vor, welches sich wegtrainieren lässt, so es denn erkannt wurde:

1. Jeder Schütze bekommt sofort eine Aussage darüber, ob er wirklich beim Schuss das Korn scharf gesehen und sorgfältig beobachtet wurde.

2. Weniger geübte Schützen können sich nicht blamieren: Es werden keine Ringzahlen geschossen, die objektiv vergleichbar sind! Die Messlatte liegt da, wo sie jeder Schütze braucht: In der genauen Treffervorhersage. Schießen ist ein Konzentrationssport, der ebenso erfolgreich erfüllt wird, wenn der tatsächliche Einschlag der Kugel aus dem Visierbild beim Schuss erkannt wird. "Zittern" usw. wird so gänzlich eliminiert!

3. Wird mit verschiedenen Munitionssorten (vielleicht vom Sandsack aus) gearbeitet, kann der kleinste Streukreis genutzt werden, um bei dem Munitionslos zu bleiben. Keine Maschine schießt so, wie der Schütze aus der Hand. Und jede Waffe reagiert auf Unterschiede in der Handhabung anders, z.T. sogar so empfindlich, dass es trotz bester Munition zu Zuführungsstörungen oder fehlender Präzision aus der Hand des Schützen kommt.


Abbildung 0.1: So soll es sein: Was hier fehlt sind ein Klick bei Tiefschuss und zwei bei Linksschuss. Richtig angesagt wurden sowohl Streukreisdurchmesser, als auch die exakte Lage der Schüsse im Rahmen des Streukreises der Waffe (22mm)



Abbildung 0.2: Links: Auch das ist völlig in Ordnung, die 4 Zehner sind von der Lage her sauber erkannt worden. Der Tiefschuss ist ebenfalls kein Beinbruch, wenn er so präzise wie hier angesagt wurde. Rechts: Hier wurde zu konservativ angesagt. Aber: Die Neun rechts und die drei Schüsse unterhalb der Mittellinie wurden hinreichend genau erkannt.



Abbildung 0.3: So soll es nicht sein: Kein Schuss bzw. das Trefferbild sind nicht richtig angesagt worden. Entweder hat der Schütze nicht auf das Korn geschaut, oder die Munition passt nicht zur Waffe.


Quellen:

Fotos: Jens Tigges Vogt-Schild Medien GmbH, Sachsenring, Köln

Text: Markus Bartram. Der Text entstand im Rahmen des Artikels "Mensch gegen Maschine"





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